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Gemeinde Nordkirchen (Druckversion)

Geschichte Schloss

Ein Rundgang durch die Geschichte des Schlosses

Die erste urkundliche Erwähnung Nordkirchens ist im Zusammenhang mit dem Knappen Johann Morrien 1324 zu finden. Die Ritter von Morrien bewohnten zu der Zeit wahrscheinlich eine Motte im Hirschpark östlich des heutigen Schlossparks. Ende des 14. Jahrhunderts erhielt Johann der II. von Morrien den Hof Nordkirchens als Lehen. Er hatte dafür Zahlungen an die Grafen von der Mark leisten müssen. Anfang des 15. Jahrhunderts wird schließlich eine erste Wasserburg unter Johann III. von Morrien erwähnt.

Der Ausbau der bestehenden Befestigungsanlagen 1516 - 22 scheint nicht ausreichenden Schutz geboten zu haben, denn bereits 1528 lässt Gerhard von Morrien vom Baumeister Henrik de Suyr aus Coesfeld (dem Erbauer von Schloss Herten) eine Burganlage errichten. Dieses Bauwerk mit hohen Dämmen und vier vorgelagerten Wehrtürmen war lange Zeit eine der größten und stärksten Burgen des Münsterlandes.

Zum Bau ihrer ausgedehnten Anlage verlegten die Herren von Morrien das alte Dorf Nordkirchen samt Femestuhl, Kirche und Friedhof aus strategischen Gründen an den weiter entfernten, heutigen Ort. Durch diese Maßnahmen machten sich die Burgherren sehr unbeliebt. Nach langen Rechtsstreitigkeiten wurden sie verpflichtet, anstelle der alten Dorfkirchen eine Kapelle zu errichten, die 1609 durch ein Steinkreuz mit Gekreuzigtem ersetzt wurde. Ein erneuertes Kreuz aus den 1970-Jahren an der Stelle des alten ist noch heute im Obstgarten zu sehen. Der Vorgänger war während der Zeit des Nationalsozialismus zerstört worden.

Die Burg von Baumeister Henrik de Suyr stand etwa 150 Jahre. Sie wurde bis Ende des 17. Jahrhunderts erhalten und möglicherweise weiter ausgebaut. Nachdem jedoch die Herren von Morrien 1691 im Mannesstamme ausgestorben waren, kaufte Fürstbischoff Friedrich Christian von Plettenberg 1694 die Anlage samt der mittelalterlichen Gebäude und ließ bereits 1697/98 erste Entwürfe für ein neues Schloss vom bedeutenden Barockbaumeister Gottfried Laurenz Pictorius anfertigen. (Diese wurden jedoch nicht ausgeführt, es folgten aber weitere.)

Die heutige barocke Schlossanlage und einen ersten Garten plante Pictorius im holländischen Stil des frühen westfälischen Barocks. Vier kleinere Turmpavillons nehmen die Formen der alten Burg auf und interpretieren sie zeitgemäß. Das neue Schloss entsteht ab 1703 aus Ziegeln und Sandstein.

Gartenführerinnen
Gartenführerinnen

Der Architekt Peter Pictorius, Bruder des Gottfried Laurenz Pictorius, entwarf beispielsweise ein Gartencasino, das 1718/19 gebaut wurde und als Erdgeschoss der Oranienburg noch heute erhalten ist. Ferdinand von Plettenberg gehörte jedoch ein anderen Generation an als sein Onkel und suchte sich bald mit dem bedeutenden Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun einen moderneren Architekten und Gartenkünstler. Dieser übernahm ab 1723 die Bauleitung, schwerpunktmäßig für den Innenbereich des fast fertigen Schlosses und für den Garten.

Zunächst ließ Schlaun ab 1725 die Oranienburg aufstocken. Er nutzte dabei das Erdgeschoss von Pictorius, fügte aber einfühlsam ein zweites Geschoss hinzu. Um das bestehende Gebäude weitgehend zu erhalten, setzte Schlaun das nötige Treppenhaus der rückwärtigen Fassade als Mittelrisalit vor. Auf der Südseite übernahm er die Fenstergliederung, schmückte aber Fenster und Türen gemäß der neuen Nutzung als kleines Filial- oder Lustschloss stärker aus.

Wie detailliert Schlauns Planungen ausgeführt wurden, ist noch nicht eindeutig erwiesen. Das Schicksal des Gartens war eng mit dem seines Besitzers verbunden. Ferdinand von Plettenberg war erster Minister von Fürstbischof und Kurfürst Clemens August von Bayern, dem Erzbischof von Köln und Bischof von Münster, Paderborn, Osnabrück und Hildesheim. Clemens August war also ein mächtiger Mann, aber sein Interesse galt mehr der Baukunst - er ließ Schloss Augustusburg in Brühl, das Jagdschloss Clemenswerth im Hümmeling und das Schloss zu Münster bauen - und dem höfischen Leben mit Jagden und anderen Gesellschaften.

So überließ er dem äußerst fähigen und ehrgeizigen Ersten Minister einen Großteil der Staatsgeschäfte. Aus dieser Funktion heraus empfing Ferdinand von Plettenberg in Nordkirchen zahlreiche erlauchte Gäste. Neben dem Fürstbischof selber kamen auch Kaiser Karl VI. und der spätere Kaiser Franz von Lothringen zu Besuch. Dementsprechend vorzeigbar musste Nordkirchen gestaltet werden und war es zeitgenössischen Berichten zufolge wohl auch. Auf der Höhe seines Ruhmes verlor Ferdinand von Plettenberg jedoch 1733 durch ein Missgeschick eines seiner Begünstigten plötzlich die Unterstützung des Fürstbischofs. Er floh 1736 hoch verschuldet nach Wien, wo er bereits 1737 starb. Ferdinand von Plettenbergs Sohn Franz Joseph übernahm die Verwaltung Nordkirchens, lebte aber mit seiner österreichischen Frau in Wien.

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