Gemeinde Nordkirchen

Seitenbereiche

Schriftgröße:

Volltextsuche

Was suchen Sie?

Seiteninhalt

Einbringung Haushalt 2021

Einbringung des Haushalts der Gemeinde Nordkirchen 2021

„Verantwortung tragen“ am 26.01.2021

Bürgermeister Dietmar Bergmann
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sprechen über den Haushaltsentwurf für 2021 in einer besonderen, in einer historischen Situation. Ich kann mir vorstellen, dass einige von uns irgendwann mal den Enkelinnen und Enkeln davon erzählen werden, wie das damals war, „in der Coronazeit“. Und die Zeit, in der wir leben, ist wirklich von historischer Bedeutung:

Wir stehen einer Bedrohung gegenüber, wie sie niemand von uns je erlebt hat. Unsere Gesundheit ist in Gefahr, unsere Wirtschaft ist bedroht, unsere Gemeinschaft und unser Zusammenleben sind sozusagen das Feld, auf dem der Konflikt mit dem Virus ausgetragen wird.

Das ist wirklich paradox: Nur unsere Solidarität untereinander schützt uns vor einer Infektion. Und diese Solidarität besteht darin, auf Abstand zu bleiben, Masken zu tragen, Zusammenkünfte zu beschränken und kurz zu halten.

Unter diesem Zeichen stehen auch die diesjährigen Haushaltsberatungen. Einerseits wirkt sich die Bekämpfung des Virus massiv auf die Zahlen des Haushalts aus. Und andererseits sind eben auch unsere Beratungen ganz anders als sonst. Deshalb ist diese „Rede“ zur Haushaltseinbringung auch eigentlich keine Rede. Sie, liebe Mitglieder des Gemeinderates, werden Sie vermutlich erst Zuhause lesen, vielleicht kurz bevor Sie sich die Zahlen insgesamt ansehen.

Aber es ist nun einmal sinnvoll, dass wir unsere Ratssitzung im doppelten Sinne beschränken: Auf weniger Personen und weniger Zeit. Dazu noch tagen wir in einem größeren Raum, um noch besser Abstand halten zu können. Damit tragen wir auch unserer Gesundheit Sorge.

Der gesamte Kreis Coesfeld ist bisher verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen. Unsere Infektionszahlen waren von den bundesweiten Höchstständen zumeist weit entfernt, auch heute macht sich bezahlt, dass die Menschen hier verständnisvoll und vorsorgend sind. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar! Aber auch in unserer Gemeinde gibt es aktive Krankheitsfälle und auch bei uns gibt es drei Todesfälle zu beklagen. Das dürfen wir nicht vergessen und es ist auch eine Verpflichtung für unser zukünftiges Handeln in Deutschland, schnell zu impfen und weitere Infektionen zu verhindern.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dieser Situation über den Haushaltsentwurf zu sprechen, ist gar nicht so einfach. Wir wissen noch nicht, wie lange die Pandemie noch dauert. Wir wissen nicht, welche Herausforderungen Mutationen noch bringen können. Wir hoffen, dass wir bald zum normalen Leben zurückkommen können – ohne Kontaktbeschränkungen, mit offenen Geschäften und Gaststätten.

Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es kaum möglich, das genau zu planen. Die Aussage der Bundesregierung, dass bis zum Ende des Sommers jeder Bürger und jede Bürgerin ein Impfangebot bekommen haben soll, klingt gut, ist aber von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, die wir nicht beeinflussen können.

Was bedeutet das für unseren Haushaltsentwurf?

Es bedeutet zunächst, dass wir weiterhin sparsam wirtschaften müssen. Wir geben nur das Geld aus, das wir auch haben, wir leben nicht auf Pump.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich jetzt noch mehr auszahlen wird, dass wir in den vergangenen Jahren unsere finanzielle Unabhängigkeit erreicht haben, unsere Befreiung von dem Schuldenberg, der auf uns lastete. Wir sind finanziell in der Lage, auch diese Krise zu bewältigen, auch wenn wir mit Mehrausgaben und Mindereinnahmen werden umgehen müssen. Und wir sind auf die Unwägbarkeiten vorbereitet, die noch vor uns stehen mögen. Wir können und werden mit den vielen Fragezeichen, die auch 2021 für uns bereithalten mag, umgehen.

Das ist unser Weg, auf dem wir Verantwortung für unsere Gemeinde und für die Zukunft unserer drei Dörfer tragen. Und auch wenn die Diskussionen über diesen Weg in diesem Jahr etwas anders aussehen als wir uns das wünschen, kann ich nur sagen: Ich freue mich auf die Gespräche und Debatten mit Ihnen! Ich bin gespannt auf Ihre Ideen und Beiträge und bin mir sicher, dass wir gemeinsam einen guten Weg für Nordkirchen, Südkirchen und Capelle finden. Und mein Dank geht an dieser Stelle an alle Fraktionen dafür, dass sie dieses Verfahren so mittragen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

damit dann zu den Zahlen des Haushaltsentwurfes.

Unsere solide Haushaltspolitik der vergangenen Jahre hat sich immer auch in den Jahresabschlüssen gezeigt. Für 2020 deutet sich im Moment ein kleines Plus an. Wir haben also aus meiner Sicht gut kalkuliert und gut gearbeitet – und damit auch gute Voraussetzungen für 2021 geschaffen.

Für 2021 planen wir im Moment mit einem geringen Defizit von 46.400 Euro. Einnahmen und Ausgaben liegen jeweils knapp über 24,3 Millionen Euro, das Defizit kann aus der Rücklage ausgeglichen werden.

Das gelingt aber nur deshalb, weil wir die Corona-Mehrkosten aus dem Haushalt herausrechnen können. Vom Land wurde mit dem sog. „NKF-Covid-19-Isolierungsgesetz“ die Möglichkeit geschaffen, dass wir die mit der Pandemie verbundenen Lasten teilweise in die Zukunft schieben können.

Wir reden hier über einen Fehlbetrag von 991.860 Euro, der uns in der Zukunft belasten wird. Zusammen mit dem ohnehin geplanten Defizit liegen wir also bei einem realistischen Minus von knapp über einer Million Euro.

Ich begrüße die Möglichkeit der Isolierung, ermöglicht sie uns doch auch, die Kosten der Krise zu strecken und über Jahre hinweg abzutragen. Aber zwei Dinge darf man dabei nicht vergessen:

Erstens sehen wir daran, dass alle Zahlen dieses Haushaltsentwurfes mit größeren Unsicherheiten versehen sind als das normalerweise der Fall ist. Der Haushaltsentwurf ist nur sehr bedingt geeignet, die zukünftige Finanzlage unserer Gemeinde zu beschreiben und zu planen. Das ist aktuell m.E. nicht anders zu machen und damit ein notwendiges Übel – aber es macht unsere Verpflichtung, unsere Verantwortung sehr vorsichtig in der Ausgabenplanung zu sein, um so deutlicher.

Und zweitens sind Kosten, die wir in die Zukunft verschieben, natürlich trotzdem Kosten. Wir tragen diese Lasten nur etwas später. Spätestens im Haushaltsjahr 2024 müssen wir entscheiden, wie wir diese Bilanzierungshilfe auflösen. Das heißt: Ausbuchung gegen das Eigenkapital in einem Schlag oder Abschreibung über bis zu 50 Jahre. So oder so: Wir müssen mit dieser Hilfe vorsichtig umgehen, wenn wir keine dauerhafte Belastung schaffen wollen.

Denn: Der Zusammenhang aus Mindereinnahmen und Mehrausgaben durch die Pandemie kann uns auf Jahre begleiten – selbst, wenn sie in diesem Sommer vielleicht endet. Aber, um nur ein Beispiel zu nennen, niemand von uns kann auch nur annähernd prognostizieren, wie sich die Gewerbesteuer entwickeln wird. Wird sich die Wirtschaft schnell erholen oder sehen wir möglicherweise bundesweit einer Pleitewelle entgegen? Profitieren wir andererseits in unserer kleinen und schönen Gemeinde vielleicht sogar davon, wenn sich Home-Office-Möglichkeiten weiter durchsetzen und mehr Menschen dann auch zunehmend da arbeiten können, wo sie gerne wohnen möchten?

Wir wissen es nicht – und deshalb gibt es nur eines: sehr behutsam und verantwortungsvoll mit den Finanzen der Gemeinde umzugehen.

Zu diesem verantwortungsvollen Vorgehen gehört, dass wir eine Kreditermächtigung in Höhe von zwei Millionen Euro für Investitionen und in Höhe von 500.000 Euro zur Liquiditätssicherung vorschlagen. Das mag zunächst erstaunen – wir sind quasi schuldenfrei und Kredite sollen für uns eigentlich keine Rolle mehr spielen. Hier liegt aber ein Sonderfall vor:

Wenn wir Liquiditätsengpässen vorbeugen wollen, die insbesondere durch die Kosten der Pandemie nicht komplett auszuschließen sind, ist es nötig, zumindest die Möglichkeit von Investitions- und Liquiditätskrediten zu schaffen. Das wollen wir natürlich vermeiden und werden es nur im Notfall in Anspruch nehmen. Es kann aber durchaus eine wirtschaftliche Lösung sein, kurzzeitig einen Kredit aufzunehmen. Deshalb wollen wir im Haushalt zumindest die Chance haben, ggf. mit einem Kredit reagieren zu können. Aber wie gesagt: Wir werden diese Möglichkeit nur in Anspruch nehmen, wenn es sich für die Gemeinde rechnet.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Vergangenheit habe ich an dieser Stelle immer viele verschiedene Projekte aus dem Haushalt hervorgehoben, habe einzelne Punkte genannt, für die wir unser Geld ausgeben, Infrastrukturprojekte, Gebäudebau, Dienstleistungsangebote.

Das wird gleich im Anschluss auch noch geschehen, ich will diese besonderen Haushaltsberatungen aber nutzen, um zunächst den Blick auf das Gesamtbild zu lenken. Ich meine damit so etwas wie eine „Luftaufnahme“ von oben und nicht den Blick auf Einzelmaßnahmen. Die Entwicklung unserer Gemeinde steht im Vordergrund – und zwar der ganzen Gemeinde. Es geht mir also nicht so sehr um den einzelnen Radweg, sondern darum, was wir für das Fahrradfahren in der Gemeinde insgesamt tun können, um ein Beispiel zu nennen.  

Ich wünsche mir, dass wir auch in der politischen Diskussion mehr das „große Ganze“ in den Blick nehmen und nicht nur Einzelaspekte diskutieren. Diese haben natürlich in der Diskussion immer ihre Berechtigung. Aber zielführend ist m.E. nur, bei jeder Einzelmaßnahme zu fragen „Hilft das der Gemeinde insgesamt weiter“ und „Ist das sinnvoll für unsere Zukunft“ Nur so können wir Nordkirchen, Südkirchen und Capelle generationengerecht und verantwortungsvoll weiterentwickeln.

Drei Punkte stehen dabei für mich im Vordergrund und Sie können sie im Vorbericht des Entwurfes im Detail nachlesen:

  • Die Stärkung unserer Lebens- und Freizeitqualität,
  • die Weiterentwicklung unserer Familiengerechtigkeit, die direkt mit unserer
    Attraktivität zusammenhängt,
  • und die wichtigen Fragen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Was uns in diesen drei Bereichen weiterhilft, hilft uns bei der Gestaltung der Zukunft unserer Gemeinde weiter. So „einfach“ ist das aus meiner Sicht.

Bleibt die Frage, wo das Geld für Maßnahmen in diesen Bereichen herkommt. Werfen wir also einen Blick auf die Einnahmeseite, die bisher noch recht stabil aussieht.

Bei der Grundsteuer B rechnen wir aufgrund der regen Bautätigkeit sogar mit Steigerungen. Auf der anderen Seite werden wir aber bei den Anteilen der Einkommens- und Umsatzsteuer sicher auch im nächsten Jahr Corona-Isolierungen vornehmen müssen. Dazu kommt, wie ich schon ausgeführt habe, dass die kommenden Jahre hier sehr schwer zu planen sind.

Das gilt im Übrigen genauso für die Gewerbesteuer, eine für alle Kommunen besonders wichtige Einnahmequelle. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir hier im Jahr 2020 keinen besonderen Einbruch zu verzeichnen haben. Das kommt sicherlich auch durch die umfangreichen Unterstützungsmaßnahmen durch Bund und Länder. An deren Umsetzung gibt es natürlich auch Kritik – aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir sehr dankbar sein können, dass diese Unterstützungen im Moment möglich sind. So verhindern wir einen noch stärkeren Anstieg der Pleiten und der Arbeitslosigkeit. Aber wir müssen uns auch darüber bewusst sein, dass das nicht ewig geht und natürlich bezahlt werden muss.

Und auch ein weiterer wichtiger Einnahmepunkt muss im Hinblick auf die Zukunft in Frage gestellt werden. Die Schlüsselzuweisungen des Landes sind bisher weitgehend stabil und wir haben nur ein kleines Minus zu verzeichnen. Dabei muss man aber wissen, dass das Land hier eine fiktive Stützung der Umlagegrundlagen vornimmt und damit quasi Gelder auszahlt, die in den kommenden Jahren von den Zuweisungen wieder abgezogen werden. Man könnte sagen, dass das Land uns einen Kredit auf die Zukunft gibt. Das ist durchaus sinnvoll, sollte unseren Blick auf die Tatsachen aber nicht verstellen. 

Der letzte Punkt bei den Einnahmen, den ich noch nennen will, sind die Erträge aus Geldanlagen. Wir planen mit 75.000 Euro. Im Gesamtrahmen des Haushalts vielleicht kein großer Betrag, aber mir ist er dennoch wichtig. Hier sieht man nämlich, dass man mit etwas Einsatz auch trotz der aktuellen lange andauernden Niedrigzinsphase das Geld arbeiten lassen kann. Ob das aber auch in kommenden Jahren so möglich sein wird, muss sich noch zeigen.

Damit,

sehr geehrte Damen und Herren,

kommen wir zu den Ausgaben, zur Frage, was wir mit dem Geld machen.

Zunächst haben wir steigende Personalkosten. Das liegt an den Tarifabschlüssen, die wir weder in Frage stellen können noch wollen – wie immer gilt hier: Gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden.

Aber dazu kommt, dass wir dringend neuen kompetenten Sachverstand und zusätzliche Arbeitskraft im Bereich der Digitalisierung im Haus brauchen. Sie alle kennen die Diskussion, die durch die Pandemie eine Menge zusätzlichen Schwung bekommen hat. Sie alle kennen auch die Stichworte dazu: Digitaler Unterricht, elektronisches Dokumentenmanagement, mobiles Arbeiten etc.

Es ist deshalb absolut nötig, dass wir daran arbeiten, wie wir die Digitalisierung vorantreiben können, wie wir als Verwaltung digital funktionsfähig sind und gleichzeitig unsere Serviceangebote für die Bürgerinnen und Bürger verbessern. Eine Mitarbeiterin mit einer halben Stelle haben wir dafür bereits eingestellt und wir haben eine Stelle als „Teamleitung IT“ ausgeschrieben. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Leute mit den Kompetenzen, die wir da brauchen, im Moment sehr begehrt sind. 

Die Digitalisierung spielt übrigens auch eine Rolle bei weiteren Mehrausgaben. Bei der Gebäudeunterhaltung ist für die Grundschulen eine Überarbeitung der IT-Grundstruktur veranschlagt. Und bei den Geringwertigen Wirtschaftsgütern finden wir die Anschaffung von Endgeräten für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler – genauso wie für die Ratsarbeit übrigens. Da können wir sicherlich noch ein ganzes Stück digitaler werden, wenn Sie das wünschen.

Eine weitere Ausgabe, auf die ich kurz eingehen will, sind die Zinsen, die wir zahlen. Ja, wir sind quasi schuldenfrei. Allerdings konnten wir trotz intensiver Bemühungen noch nicht alle Kredite der Gemeinde mit annehmbaren Vorfälligkeitsentschädigungen ablösen. Ich kann das irgendwie sogar verstehen: Für die Kreditgeber sind zahlende Kunden natürlich angenehmer als solche, die ihre Zinsen nicht weiter zahlen möchten. Insofern haben wir auch weiterhin eine geringe Zinsbelastung und bemühen uns weiterhin um eine Ablösung der Kredite.

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei den Investitionen im Haushaltsentwurf werden Sie feststellen, dass wir uns wieder intensiv um Zuweisungen aus Fördertöpfen für verschiedene Projekte bemüht haben. Das war wiederum von Erfolg gekrönt, weswegen wir Landeszuweisungen für die Umsetzung unseres Mobilitätskonzepts, für die Anschaffung eines E-LKWs für den Bauhof und hoffentlich für den Umbau des Feuerwehrgerätehauses in Südkirchen einplanen können.

Sehr wichtig ist mir auch die Öffnung des Capeller Bachs, wofür die Bauarbeiten gerade begonnen haben. Das ist eine sehr nachhaltige Maßnahme gerade im Sinne des Klimaschutzes. Wir tauschen eine in die Jahre gekommene und aus heutiger Sicht nicht unbedingt erforderliche Gewässerverrohrung nicht aus, sondern öffnen das Gewässer in der umgebenden Weidelandschaft. Das schafft Platz für heimische Pflanzen und Tiere und auch neue und schöne Ansichten für die Besucherinnen und Besucher auf dem begleitenden Fußweg. Und bei Starkregen geben wir dem Wasser noch mehr Platz und mindern so Überflutungsgefahren.

Bei den Investitionsmaßnahmen finden Sie den Ansatz für den Erwerb von Grundstücken deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren und in der Planung für die kommenden Jahre wird er weiter zurückgefahren. Das liegt daran, dass wir bereits Grundstücke für weitere Baugebiete erworben haben – und zwar in allen drei Ortsteilen. Es wird also darum gehen, diese zu realisieren.

Seitens der Gemeinde haben wir eine durchaus rege Bautätigkeit. Das Feuerwehrgerätehaus in Nordkirchen ist gerade den aktuellen Anforderungen an einen zeitgemäßen Brandschutz entsprechend umgebaut und modernisiert worden. In Südkirchen wollen wir nun die Einsatzbedingungen für Feuerwehrfrauen und -männer durch eine neue Fahrzeughalle und vergrößerte und geschlechterneutrale Umkleiden und Sanitärräume verbessern.

Außerdem – und darüber haben wir im vergangenen Jahr schon diskutiert – müssen wir an unserem Rathaus arbeiten. Die grundlegende Sanierung und der Ausbau des Dachgeschosses sowie Umbauten und energetische Verbesserung des Bestandes sind notwendig, um den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein zeitgemäßes Verwaltungsgebäude anbieten zu können.

Und weiterhin wichtig sind unsere Sportplätze: In Nordkirchen leisten wir einen Zuschuss zum Ersatz der Containeranlage und den Neubau des Vereinsheims. Außerdem soll der Kunstrasenplatz neu besandet werden. In Capelle wollen wir einen neuen Kunstrasenplatz realisieren und in der Gemeinde insgesamt neue, generationengerechte Sportgeräte anschaffen.

Dazu kommen dann noch zahlreiche Investitionen im Straßenbau, bei der Erschließung des neuen Lebensmittelmarktes in Capelle und natürlich im Rahmen unseres Mobilitätskonzeptes. Gerade über die letzten beiden Themen haben wir bereits umfangreich diskutiert und ich bin froh, dass wir beides in die Tat umsetzen können.

Sehr geehrte Damen und Herren,

einige Worte mehr als sonst muss ich in diesem Jahr zur Kreisumlage und zu den finanziellen Planungen des Kreises insgesamt sagen. Ich glaube, dass es wichtig ist, an dieser Stelle deutliche Worte zu finden.

Der Kreis plant in absoluten Zahlen die höchste Erhöhung der Kreisumlage seit Einführung des Neuen kommunalen Finanzmanagements. Wir reden von 10,1 Millionen Euro insgesamt mehr. Für Nordkirchen bedeutet das eine Gesamtsumme von 7,3 Millionen Euro in der Kreisumlage, 833.260 Euro mehr als letztes Jahr. Das trifft uns und alle anderen Städte und Gemeinden ins Mark.

Wir haben in fast jedem Jahr die Situation, dass der Kreis sich ein Stückchen mehr vom Kuchen abschneidet, dann einen positiven Jahresabschluss vorlegt und sich selbst auf die Schulter klopft, weil man ja sparsam gewirtschaftet habe. Wer das Geld aber erwirtschaftet hat, fällt dabei viel zu oft unter den Tisch. Es sind die Kommunen im Kreis, noch genauer die Menschen in den Kommunen im Kreis, die dafür sorgen, dass man sich in Coesfeld selbst feiert.

Auf diese Art und Weise hat sich der Kreis Coesfeld nach den aktuellen Planungen eine Ausgleichsrücklage von acht Millionen Euro angespart. Ich will es in aller Deutlichkeit sagen:

Acht Millionen unter dem Kopfkissen und zehn Millionen mehr von den kreisangehörigen Kommunen fordern, das passt nicht. Das passt absolut nicht.

Und es passt erst recht nicht, wenn wir uns die allgemeine Situation ansehen. Wir kommen aus Jahren, in denen die Konjunktur teilweise großartig lief. Wir alle konnten es uns ein Stück weit leisten, das bisherige Verhalten des Kreises so hinzunehmen. Wir haben das ungern getan – schließlich wären auch uns viele gute Sachen eingefallen, die wir mit den an den Kreis abgeführten Summen in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle hätten bewegen können. Aber wie gesagt: Die Situation insgesamt war so, dass man das mitmachen konnte.

Aber jetzt sind wir in einer absolut einzigartigen Lage. Wir wissen noch gar nicht, wie sich die Wirtschaft weiter entwickeln wird, wenn die Pandemie irgendwann wirklich vorbei ist. Mal abgesehen davon, dass wir auch noch längst nicht belastbar einschätzen können, wann wirklich wieder ein normales Leben und Wirtschaften möglich ist. Aber wir wissen: Die Belastungen für alle Städte und Gemeinden werden erheblich sein.

In dieser Situation sind die Planungen des Kreises völlig untragbar. Und ich bin froh, dass das offenbar auch im Kreishaus schon eingesehen wurde. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben deshalb in Abstimmung mit dem Landrat einige Planungen in einem sog. „letter of intent“ zusammengestellt, die das ganze Dilemma zwar nicht lösen, die aber doch in Zukunft zu einem gemeinsameren Handeln führen könnten.

Die Entscheidung obliegt aber natürlich am 17. Februar den Abgeordneten im Kreistag – und ich hoffe, dass auch diese ihre Verantwortung nicht nur gegenüber dem Kreis wahrnehmen, sondern eben auch gegenüber den Kommunen im Kreis. Alles andere als eine deutliche Senkung des Ansatzes zur Kreisumlage wäre aus meiner Sicht ein starkes Stück - gerade jetzt, in dieser einmaligen Krisensituation, in der es mehr denn je auf die Solidarität in der kommunalen Familie ankommt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Verantwortung tragen“ ist die Überschrift für diesen Haushalt. Das gilt für die Entscheidungen im Kreistag natürlich genauso wie für uns. Nicht nur in den Haushaltsberatungen – sondern jeden Tag in unserer Arbeit als gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Menschen hier vor Ort.

Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft unserer Gemeinde. In Zeiten wie diesen, mitten in einer Pandemie, ist es umso wichtiger, dass wir uns unsere Verantwortung vor Augen führen.

Wie schon gesagt: Wir wissen heute noch nicht, welche Belastungen auf uns zu kommen, auch welche großen Veränderungen durch diese Pandemie angestoßen oder beschleunigt werden. Über die Digitalisierung habe ich ja bereits gesprochen. Aus meiner Sicht werden Veränderungsprozesse, die sonst eher über Jahrzehnte ablaufen, gerade erheblich beschleunigt.

Inmitten dieser Prozesse müssen wir verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft von Nordkirchen, Südkirchen und Capelle treffen. Ich freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam darüber zu diskutieren und bin mir sicher, dass wir das wie eigentlich immer hinkriegen: Im sachlichen Ringen mit guten Argumenten und dem gemeinsamen Willen, das Beste für die Gemeinde zu erreichen.

Und abschließen möchte ich mit einem herzlichen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung – und ich verzichte bewusst darauf, irgendjemanden hervorzuheben. Alle gemeinsam arbeiten mit großem Einsatz daran, auch unter den aktuell sehr schwierigen Bedingungen den Bürgerinnen und Bürgern einen guten und zuverlässigen Service zu bieten. Das ist gerade jetzt aller Ehren wert und dafür bin ich sehr dankbar!

Vielen Dank.

Weitere Informationen

Pressearbeit


Karim Laouari
Bohlenstraße 2
59394 Nordkirchen
Tel.: 02596 917-154
E-Mail schreiben